„Ich habe fünfzig Bewerbungen geschrieben und höre einfach nichts.“ Diesen Satz hören wir in unserem Büro in Stuhr fast jede Woche. Und fast immer stellt sich im Gespräch heraus: Alle fünfzig Bewerbungen gingen auf ausgeschriebene Stellen aus Jobbörsen. Das ist verständlich — nur sieht man damit eben nur einen Teil des Marktes.
Was ist der verdeckte Arbeitsmarkt?
Der Begriff klingt geheimnisvoller, als er ist. Gemeint sind schlicht alle Stellen, die besetzt werden, ohne dass jemals eine Anzeige erscheint. Der Chef fragt in der Frühstückspause: „Kennt jemand von euch einen guten Staplerfahrer?“ — und drei Wochen später fängt der Schwager eines Kollegen an. Keine Anzeige, keine Jobbörse, kein Bewerbungsportal.
Was die Zahlen sagen
Belastbare Daten dazu liefert die IAB-Stellenerhebung. Das IAB, also das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, ist die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit und befragt dafür jedes Jahr Tausende Betriebe, wie sie ihr Personal tatsächlich gefunden haben. Für 2025 sieht das so aus:
- Bei 48 Prozent aller erfolgreichen Stellenbesetzungen haben Betriebe (auch) über eigene Beschäftigte oder persönliche Kontakte gesucht.
- Bei 27 Prozent der Neueinstellungen war genau dieser Weg ausschlaggebend für den Erfolg.
Bemerkenswert ist die Stabilität: 2022 lagen die Werte bei 58 und 37 Prozent, 2024 bei 53 und 31 Prozent. Der Weg über Menschen ist seit Jahren der wichtigste betriebliche Rekrutierungsweg — auch wenn Online-Stellenanzeigen zuletzt zugelegt haben.
Eine ehrliche Einordnung an dieser Stelle: Im Netz kursieren Zahlen wie „70 Prozent aller Stellen sind verdeckt“ oder „Initiativbewerbungen haben 70 Prozent Erfolgsquote“. Solche Werte lassen sich schlicht nicht seriös belegen, und wir schreiben sie deshalb auch nicht ab. Die IAB-Zahlen reichen völlig aus, um den Punkt zu machen: Bei mehr als jeder vierten Einstellung gibt der persönliche Draht den Ausschlag.
Drei Wege, die wirklich funktionieren
1. Erzähl konkret, was du suchst
Der häufigste Fehler ist Unschärfe. „Ich brauche was Neues“ kann niemand weitererzählen. „Ich suche eine Stelle im Lager oder in der Produktion im Raum Bremen, Frühschicht wäre mir am liebsten, Staplerschein habe ich“ — das schon. Menschen empfehlen nur weiter, was sie verstanden und behalten haben.
Und zwar allen: Nachbarn, dem Fußballverein, der ehemaligen Kollegin, dem Kumpel, der bei einer Spedition arbeitet. Aus unserer Erfahrung kommen die besten Tipps selten von den engsten Freunden, sondern von Leuten, die man nur lose kennt — die kennen einfach andere Betriebe.
2. Frag direkt an, auch ohne Anzeige
Das nennt sich Initiativbewerbung. Gerade kleinere Betriebe in Logistik, Produktion und Handwerk stellen laufend ein, inserieren aber nicht jedes Mal — weil es Geld kostet und Arbeit macht. Ein kurzer Anruf oder eine knappe Mail reicht völlig: wer du bist, was du kannst, ab wann du kannst.
Unser Tipp aus der Praxis: Ruf am Vormittag an, Dienstag bis Donnerstag. Montags ist Chaos, freitags nach zwölf erreichst du kaum noch jemanden.
3. Fass nach der Bewerbung nach
Wenn du dich beworben hast und eine Woche nichts gehört hast: einmal freundlich anrufen. „Ich wollte nur kurz hören, ob meine Unterlagen angekommen sind.“ Mehr braucht es nicht. Aus einem Namen auf einem Papierstapel wird dadurch eine Stimme — und das bleibt hängen.
Und was ist mit Personaldienstleistern?
Ganz offen, wir haben hier natürlich ein Eigeninteresse — aber der Punkt stimmt trotzdem: Ein regionaler Personaldienstleister ist im Grunde professionalisiertes Vitamin B. Wir kennen die Betriebe zwischen Stuhr, Bremen und Hannover persönlich und erfahren oft von einem Bedarf, bevor überhaupt jemand an eine Anzeige denkt. Für dich ist das ein Kontakt statt fünfzig Bewerbungen. Ob du diesen Weg gehst oder nicht, ist deine Entscheidung — die drei Tipps oben funktionieren völlig unabhängig davon.
Häufige Fragen
Ist das nicht einfach Vetternwirtschaft?
Nein. Empfohlen zu werden heißt nur, dass du überhaupt in Betracht kommst. Können musst du den Job danach immer noch selbst. Betriebe setzen auf Empfehlungen, weil das Risiko einer Fehlbesetzung sinkt — nicht, um Verwandte unterzubringen.
Ich kenne niemanden in der Branche. Was jetzt?
Dann ist Weg 2 dein Weg: direkt anfragen. Netzwerk entsteht auch beim ersten Einsatz — nach ein paar Monaten in einem Betrieb kennst du automatisch Leute, die anderswo arbeiten.
Wie oft darf ich nachfassen, ohne zu nerven?
Einmal nach etwa einer Woche, und wenn nichts kommt, noch einmal nach zwei bis drei Wochen. Danach ist gut. Freundlich und kurz — das nervt niemanden.
Brauche ich für eine Initiativbewerbung ein langes Anschreiben?
Nein, im gewerblichen Bereich eher nicht. Ein paar Sätze plus Lebenslauf reichen. Wichtig ist, dass Tätigkeit, Verfügbarkeit und Kontaktdaten sofort ins Auge fallen.
Unser Fazit
Bewerbungen schreiben ist wichtig — aber es ist nur die halbe Miete. Wer daneben aktiv erzählt, was er sucht, und sich traut, direkt anzufragen, verdoppelt seine Chancen praktisch ohne Mehraufwand. Das Unbequeme daran ist nur, dass es Überwindung kostet. Aus unserer Erfahrung ist genau das der Unterschied zwischen „fünfzig Bewerbungen, keine Antwort“ und „drei Gespräche in zwei Wochen“.
Quellen
- https://iab-forum.de/online-medien-sind-bei-der-personalsuche-auf-dem-vormarsch/ (IAB-Stellenerhebung: persönliche Kontakte bei 48 % der erfolgreichen Besetzungen im Einsatz, bei 27 % ausschlaggebend, Daten 2025; abgerufen 21.08.2026)
- https://www.arbeitsagentur.de/news-stellenbesetzungen (Bundesagentur für Arbeit: Stellenbesetzung über persönliche Kontakte; abgerufen 21.08.2026)
- https://doku.iab.de/kurzber/2016/kb0416.pdf (IAB-Kurzbericht 4/2016 „Stellen werden häufig über persönliche Kontakte besetzt", Langzeitvergleich; abgerufen 21.08.2026)
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